Quarantäne mit Kindern

Quarantäne mit Kindern
Ich sitze im Büro und mein Handy klingelt. Früher war das meist ein Grund zur Vorfreude. Heute sieht das jedoch etwas anders aus. Das Klingeln lässt mich zusammenzucken. Wie ein Reh im Scheinwerferlicht ...

Quarantäne mit Kindern

Ich sitze im Büro und mein Handy klingelt. Früher war das meist ein Grund zur Vorfreude. Yeah! Eine Freundin möchte sich auf einen Drink verabreden. Heute sieht das jedoch etwas anders aus. Das Klingeln lässt mich zusammenzucken. Wie ein Reh im Scheinwerferlicht, starre ich auf mein Telefon.  Schon wieder Quarantäne!  – schießt es mir wie mit einem Bolzenschussgerät durch den Kopf. Quarantäne mit Kindern! Anrufe am Morgen bedeuten seit Corona meist nichts Gutes. In der Regel meldet sich die Schule oder eine der diversen Mittagsbetreuungen der Kinder und versucht einem, meist schonend beizubringen, dass die Kids gleich wieder nach Hause kommen.

Genau jetzt würde ich gerne die RESET-TASTE drücken.

Warum? Man schält sich um 5.30 Uhr aus dem Bett, schnippelt Gurkengesichter und brüht Tee für die Brotzeit, macht Frühstück, bringt die Kinder noch im Pyjama und Zahnpasta im Gesicht zur Schule, nur um 30 Minuten zu erfahren, dass die Sprösslinge gleich wieder zu Hause sind. Da kommt Freude auf!

Wir sind seit Beginn des Jahres nur noch in Quarantäne.

Der Familienalltag in Corona-Zeiten hat sich stark verändert. Man muss flexibel sein, die erprobten Routinen, welche im Zusammenleben doch so gut geklappt haben, gibt es nicht mehr. Als Eltern fühlt man sich wie eine Nussschale auf dem weiten Meer.

Quarantäne mit Kindern. Wenn nicht gerade ein Mitschüler in der Schule positiv getestet wurde, dann aber sicher ein Kind im Karate-, Capoeira,- oder Fußballclub. Bei drei Kindern ist immer irgendwo einer positiv! Die hässliche Fratze der Quarantäne lauert überall auf uns.

Als unsere komplette Familie positiv auf Corona getestet wurde, waren wir fast 12 Tage in Quarantäne. Zu fünft, gepfercht auf nicht üppigem Münchner Wohnraum – Videokonferenzen und Homeschooling inklusive. Uns ging es gesundheitlich nicht gut und die psychischen Effekte machten nach einer so langen Zeit der Isolation, auch vor uns nicht Halt. Da wir eine recht aktive Familie sind, die sich viel bewegt und wenn möglich in der Natur ist, traf uns die ganze Situation bis ins Mark. Die Länge der Pandemie macht mürbe und dann hilft nur, wieder nach vorne zu schauen, das Positive zu sehen und sich nicht hängen zu lassen.

Kleiner Tipp: durch Sorgen und Nölen ist übrigens noch nie etwas auch nur einen Funken besser geworden!

Aus der Not heraus, haben wir unsere ultimativen Quarantäne-Tipps gegen Langeweile für Kinder und Eltern entwickelt. 

 

Hier unsere Top 5:

1. Netfllix und DVDs

für Mama & Papa sobald die Kinder im Bett sind. 

Unsere Filmtipps:

  • Mare of Easttown. Eine spannende Mini-Serie mit Oscar-Preisträgerin Kate Winslet als Hauptdarstellerin. Die Schauspielerin spielt in dem mitreißenden Streifen eine sympathische, durchs Leben gebeutelte, verschrobene Polizistin, die in einer amerikanischen Kleinstadt lebt und im Mord an einer Jugendlichen ermittelt. Achtung, Suchtfaktor!
  • Your Honor. Eine nicht minder nervenaufreibende Mini-Serie, die die Frage aufwirft: Wie weit darf man gehen, um sein Kind zu schützen? Wer selbst Kinder hat, wird sich ständig dabei ertappen, sich in die Situation der Vater-Sohn-Konstellation zu versetzen. Was hätte man selbst getan? Ein absolut empfehlenswerter Justiz-Thriller der im Nachgang noch lange beschäftigt.
  • Die Entdeckung der Unendlichkeit. Die Geschichte von Stephen Hawking, einer der brillantesten Physiker unserer Zeit. Im Film geht es primär um die persönliche Geschichte Hawkings, seine Erkrankung an der Nervenkrankheit ALS, die Erforschung seines Kernthemas „Zeit“ und die Beziehung zu seiner Frau Jane, mit der er drei Kinder bekommt. Und was soll ich sagen – hier gab es zu Recht einen Oscar für den Hauptdarsteller Eddie Redmayne.
  • Knives Out – Mord ist Familiensache. Da ich Fan von Agatha Christie bin und auch aktuell ihr bekanntester Film Der Tod auf dem Nil mit Hercule Poirot in den Kinos läuft, habe ich diese smarte, witzige und stylische Kriminalkomödie, ganz im Stil der alten Klassiker, geliebt.
  • The Father. Toller Film um das Thema Demenz, der einem unter die Haut geht. Nicht unbedingt etwas für den leichten Kinoabend mit Currywurst und Bier. Mit Tiefgang!  Herausragend gespielt durch Sir Anthony Hopkins.
 

2. Gesellschaftsspiele

Eine gute Sammlung an Gesellschaftsspielen kann in diesen besonderen Zeiten Leben retten.  Aktuell lieben wir:

  1. Monopoly – Banking Cash Back
  2. Nilpferd auf der Achterbahn (Klassiker in Neuauflage)
  3. Heimlich & Co (hab ich schon mit meinem Papa gespielt)
  4. Stadt Land Vollpfosten (Teens Edition)

3. Fitness Tipps

Fitness mit der Familie.  Mein Mann Paul macht einfache Fitness Übungen, wie Sit-Ups, Einbeinstand, Kniebeugen, Hampelmänner und Sprints vor – der Rest der Familie machen diese, natürlich zu unserer Lieblings-Musik, nach. Bewegung hellt die Stimmung enorm auf und die Kinder haben einen Mordsspaß dabei!

4. Bücher Tipps für Erwachsene 

Bücher gehen immer! Mir ist ein gutes Buch lieber, als jeder Brillant-Klunker der Welt. Ich lese genreübergreifend und meist zwei Bücher parallel. Aktuell liegen auf meinem Nachttisch als absolute Bücher-Tipps:

  • Shuggie Bain. Harter Tobak. Ich habe geheult wie ein Schlosshund, aber den kleinen Shuggie vergisst man so schnell nicht wieder.

  • Das denkende Herz: Die Tagebücher von Etty Hillesum. Dieses Buch lese ich immer wieder und sollte zur Pflichtlektüre werden. Eine Art Anne Frank für „Fortgeschrittene“. Sehr persönlich geschrieben, jedoch mit einer universellen Sicht die Welt zu begreifen.

Bücher Tipps für Kinder

Meine Leseempfehlungen:

Bücher Tipps Kinder

Mit den Zwillingen lese ich gerade als Erstlesebücher Klassiker wie die Drei ???.

Auch gegeistert hat uns das Kinderbuch: Wie der Kater und die Maus trotzdem Freunde wurden. Das Buch habe ich zufällig beim Stöbern in einem kleinen Buchladen in Bad Tölz entdeckt. Sehr bezaubernd, nicht nur für kleine Menschen!

Unser Evergreen-Bilderbuch: Irgendwie Anders. Ein Buch mit tollen Illustrationen und einer wichtigen Message! 

Meine große Tochter Matea, ist aktuell im Harry Potter Fieber. Da ich vor vielen Jahren alle Bände der Harry-Potter-Reihe selbst gelesen habe, kann ich ihre Faszination gut nachvollziehen.

5. Fun Fact

Und wenn gar nichts mehr hilft: Eine ausgewählte Sammlung an Ohropax & Baldrian für Mama und Papa 🙂

 

Arbeit und Homeschooling – eine nahezu unlösbare Aufgabe.

Ich kann mir vorstellen, dass die Beschulung EINES Kindes, neben seinem Job im Homeoffice, möglich ist. Vielleicht nicht schön, aber machbar.

Jedoch ist das aktive Unterrichten von DREI Grundschulkindern, neben seinem eigentlichen stressigen Job, nur schwer umsetzbar. Zumindest nicht so, wie man es sich wünschen würde. Ärger und Kummer sind von beiden Seiten vorprogrammiert. Das Nervenkostüm wird von Tag zu Tag dünner, der ständige Geräuschpegel erinnert an eine Zirkusvorstellung. Man ist nun mal kein Lehrer und was zur Hölle ist ein Possessivpronomen? 

Aber auch hier gilt: Der Faktor Zeit, spielt eine wesentliche Rolle. Was ich im ersten Jahr der Pandemie noch wunderbar gewuppt habe und ich lächelnd von Kinderzimmer zu Kinderzimmer sprang um zu multiplizieren, Silben im Takt zu klatschen, Diktate zu verbessern und zwischendurch noch ein vollwertiges Mittagessen zu zaubern, klappt im Folgejahr nicht mehr so leichtfüßig. Ich lasse Federn. Man fühlt sich alleine gelassen. Die Politik schenkt einem verschwindend geringen Teil unserer Bevölkerung, den sogenannten Querdenkern, in den Medien Dauergehör – jedoch von überforderten Eltern und deren Problemen, hört man nicht viel.

Es liegt auch Gutes unter all dem Schwierigen

Vor lauter Arbeit, Homeschooling und Dauer-Quarantänen, kommt das soziale Miteinander leider zu kurz.  Besuche von Freunden müssen verschoben, Ausflüge gecancelt werden. In diesen Momenten, wenn Paul und ich am Abend mal wieder fix und fertig auf der Couch in unserer Wohnküche sitzen und ich vor mich hin jammere, wird es Zeit für einen Perspektivwechsel. Es liegt auch Gutes, unter all dem Schwierigen. 

Das Positive, das wir früher noch sahen, aber über die Monate der Pandemie hinweg verschüttet ging. Die letzten beiden Jahre war die intensivste Zeit für uns als Familie. Wir haben gekuschelt und gelacht was das Zeug hielt. Es war eine Zeit des gemütlichen Verlotterns. Tagelang haben wir uns nicht die Haare gekämmt. Die Ära der Brettspiele und der Videokonferenzen in Pyjamahose werden uns in Erinnerung bleiben.

Aber das Wichtigste: unser Focus hat sich verändert. Von außen nach innen.

Familie ist das Einzige was zählt! Das hat uns Corona vor allem gezeigt. Wie jeden Abend gehen Paul & ich in die Zimmer unserer schlafenden Kinder und betrachten sie, so vor sich hin schnarchend. In diesen Momenten sind wir sehr dankbar und glücklich Kinder zu haben. So schön wir hier kanns im Himmel gar nicht sein …

In diesem Sinne, alles Liebe

Irina

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